Symbolbild

Weder der Siebenjährige noch der Zehnjährige kennen Joachim Gauck oder Otto Rehagel, dafür aber Darth Vader, den Vater von diesem Dingens. Luke. Hier schon unbewaffnet. Machen wir was daraus.


Fünf Jahre

Kinder, diese kleinen Philosophen.

Der Zehnjährige, zum Beispiel, erklärte mir in einer kurzen Diskussion, dass für ihn fünf Jahre eine grotesk lange Zeitspanne seien. Für einen Erwachsenen natürlich nicht. Was sind denn schon fünf Jahre?

Fünf Jahre, erklärte er mir, sind die Hälfte meines Lebens, ein enormer Zeitraum. Und er hat recht: Für mich sind fünf Jahre dagegen nur ein Siebtel meiner Lebenszeit, die Hälfte meines Lebens ist also mehr als drei Mal länger als seine, schließlich bin ich auch mehr als drei Mal so alt wie er.

Außerdem, erinnere ich mich, habe ich in diesen fünf Jahren ein Studium abgeschlossen, geheiratet, bin zwei Mal Vater geworden, ein Mal umgezogen und stolzer Besitzer eines Schrebergartens mitten in der Stadt geworden, mit Apfelbaum.

Ein ordentliches Programm, für so einen kurzen Zeitraum.

(Im gleichen Zeitraum hat der FC Bayern ganze drei Mal die Schale geholt, ein Mal gekrönt vom Sahnehäubchen Champions League. Außerdem wurden in der gleichen Zeit sowohl Frankreich als auch Griechenland (Griechenland!) Fußball-Europameister, sowie Brasilien Fußball-Weltmeister (Endspiel 2002, es gab gefüllte Cannelloni). Stimmt also, fünf Jahre sind eine grotesk lange Zeitspanne.)


Gesammelter Scheiß, Folge 4

Ja, es gibt immer noch die kleinen Unterschiede im modernen Fußball. Fünf Spiele, eine Trainerentlassung, das ist Berlin. Fünf Spiele, zwei Trainerentlassungen, das ist Brasilien. (FAZ)

und

So ist eben das Geschäft. (Spiegel)

Favre – Funkel – Babbel – Skibbe – Und was ist mit Preetz?

Geduld gibt es in dieser Stadt nicht, jeder Schritt wird argwöhnisch beäugt oder wie Herr Babbel es formulierte: Zwei Jahre bei Hertha sind wie sechs, sieben Jahre woanders.

Fünf in Folge verlorene Spiele (sogar hintereinander!!!) bei Hertha, sind wie erwachsen werden im Nimmerland: Geht gar nicht. Damit geht also wieder ein Punkt an die “Habe ich schon vorher gewusst!” – Fraktion und man kann sich weiterhin ganz gut begründet über die fußballerische Provinzhauptstadt Berlin lustig machen (Was ist eigentlich mit Union?). Schwierige Zeiten für echte Fans.

Schade. Eigentlich.

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Und dann dieser Freund, der ins Camp Nou eingeladen wurde und sich dort langweilte. Er langweilte sich dort. Er langweilte sich. Unvorstellbar. Sich langweilen. Im Camp Nou.

(Bin ich jetzt etwa Fan?)

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“Wer bei uns mitspielen will, muss bereit sein, einen Schritt mehr zu machen, als er eigentlich für möglich gehalten hat. Das ist eine Qualifikationshürde, über die jeder muss, der zu uns will.”

Jürgen Klopp, Enthusiast.

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Ich bin ein Investor, irgendwie, und es fühlt sich unglaublich spektakulär an.

Vielleicht auch eine Idee für Hertha: Einen neuen Manager über kickstarter.com finanzieren?

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Was eigentlich nicht erwähnt werden muss: Natürlich kennen Sie den Fitzelkönig.


Sätze ungeahnter Schönheit II

Aus der Ferne sah es aus wie eine Alarmkette der römischen Armee, die Nachrichten vom anrückenden Feind mit Leuchtfeuern von Berg zu Berg weiter gibt.

Gladbach vs Schalke: die Lampen wollen nicht angehen – ballverlust.net


Wahrnehmungen

Roman Hubnik bekommt eine rote Karte und das war so:

als de Camargo in der Verlängerung im Strafraum zusammenbrach, nachdem sich Hertha-Verteidiger Hubnik ihm zu sehr genähert hatte (FAZ)

Hertha-Verteidiger Roman Hubnik hatte Gladbachs Stürmer Igor de Camargo im Strafraum nach Meinung des Münchner Unparteiischen eine Kopfnuss verpasst, der Belgier ließ sich spektakulär fallen. (11 Freunde)

Nach einem langen Ball in den Berliner Strafraum, den Kraft abfängt, foult de Camargo Hubnik. Der Tscheche läuft auf den Belgier zu und berührt in mit der Nase im Gesicht. De Camargo lässt sich theatralisch fallen, Schiri Brych entscheidet auf Strafstoß und Rot für Hubnik. (Spox)

Hertha-Verteidiger Roman Hubnik hatte Gladbachs Stürmer Igor de Camargo im Strafraum nach Meinung des Münchner Unparteiischen eine Kopfnuss verpasst, der Belgier ließ sich spektakulär fallen. (ARD)

Hertha-Verteidiger Roman Hubnik hatte Gladbachs Stürmer Igor de Camargo im Strafraum die Stirn geboten und ihm nach Meinung des Münchner Unparteiischen eine Kopfnuss verpasst. Tatsächlich ging die Kopfbewegung aber von dem Belgier aus, der sich prompt spektakulär fallen ließ. Da das Spiel zu diesem Zeitpunkt nicht unterbrochen gewesen war, entschied Brych auf Foulelfmeter. Zudem stellte er Hubnik wegen der vermeintlichen Tätlichkeit vom Platz. (Sportbild)

etc.pp.

So sind die mediale Wahrnehmungen.

Und natürlich, man muss sich nicht aufführen wie ein Berserker. Im eigenen Strafraum. Ohne Spielunterbrechung. Man muss kühl bleiben und unaufgeregt. Wir alle bleiben kühl und unaufgeregt, wenn es an unserem Arbeitsplatz um die Wurst geht, wir regen uns nicht auf, wir bleiben kühl und unaufgeregt.

Und natürlich muss man immer mit der Hinterhältigkeit des Gegenüber rechnen, der sich so natürlich fallen lässt, wie jeden Morgen die Sonne aufgeht, der umfällt, sobald auch nur ein Hauch von Windzug in der Nähe des eigenen Körpers zu spüren ist. Für solche berserkerhaften Annäherungen bekommt man natürlich eine rote Karte (Es geht doch um Fairness, oder? Tätlichkeiten sind nicht fair.), während der Schauspieler angeblich Gefoulte an geheimen Orten gedrückt und geknutscht wird, für seine Cleverness beglückwünscht. Möglicherweise. Das ist Spekulation.

So geht Fußball, liebe Kinder.

Nicht.


Sie und der Herr Neuer

Als Mensch mit eher nach innen gerichteten Emotionen fällt es mir natürlicherweise schwer, Fan zu sein. Schon Freund sein ist für mich eine Herausforderung, wie soll ich da fanatisch werden? Natürlich kann ich verschiedenste Dinge im Fußball gut finden, sogar bewundern – Spiele, Spieler, auch Vereine – auf etwas festlegen will ich mich aber nicht.

Müsste ich dann nicht auch konsequenterweise Bettwäsche mit Vereinslogo aufziehen? Gruseliger Gedanke.

Die liebste Frau B. ist da anders. Ab und zu entwickelt sie fast aus dem Nichts einen ganzen Sack voll Emotionen für Fußballvereine und ihre Spieler. Wir wundern uns dann nur. Zum Beispiel lief sie, nachdem fest stand, dass ein gewisser Manuel Neuer nicht mehr auf Schalke, sondern im angeblich feindlichen München sein Handwerk verrichten wird, wochenlang mit einem “Koan Neuer”-Schild durch die Behausung. Quasi. Hätte sie gekonnt, hätte sie auch noch gepfiffen, wann immer sein Bild irgendwo auftauchte.

Und auch heute noch wünscht sie diesem nicht ganz so armen Herrn die Pest an den Hals, sowie seinem Ex-Verein die Schale ins Regal (oder Museum) und das alles nur, weil sie es irgendwie unanständig findet, sich beim FC Bayern seine Leidenschaft so horrend und ohne Treue (Treue?) vergolden zu lassen.

Was man so alles empfinden kann.

(Die spanische Fußballnationalmannschaft des Jahres 2010 mag sie auch leidenschaftlich nicht. Das verstehe ich.)


Metasierchen

Schreiben, wie man immer schreiben wollte.

Wie man daran denkt, wenn man aus dem Fenster sieht, in die kalte, sternenklare Nacht. Aus dem Nebenhaus ziehen Rauchschwaden ins kalte Mondlicht, man ist kurz versucht, die Feuerwehr zu rufen oder laut “Feurio!” zu rufen, aber man lässt es, Minus zwanzig Grad und warme, feuchtigkeitsgeschwängerte Luft ergeben eben dieses Kondensat. So auch beim Atmen.

Dort brennt nichts an.

Was für einen Scheiß man denkt, wenn man mal denkt und sie fahren lässt, die Gedanken, nicht die Winde. Überhaupt, Winde. Der viel zu leicht bekleidete Bauarbeiter, kürzlich in der Bahn, die überraschenderweise fuhr, obwohl draußen die Jahrhundertkälte in den Schienen knackte, an ihnen fraß, der leichtgekleidete, unrasierte Bauarbeiter, der Kaffee aus einem Plastikbecher schlürfte und einen fahren ließ, der erheblich roch, nein, erheblich stank und wie er dann schaute, ganz unschuldig, unbeteiligt und sich dem Sportteil eines Boulevardblättchens widmete, in dem wieder irgendetwas über die Bayern stand, das keinen interessierte, nicht einmal eingefleischte Bayernfans. FC Bayern, Sie wissen schon.

So sind also die Assoziationsketten. Ich schreibe das hier nur mal kurz auf, für den Herrn Büffelkack, den anonymen Spaminator, ein Schatten aus vergangener Zeit? Ein Insider aus fast acht Jahren Blogosphäre.

Aus dem Nebenhaus entweicht immer noch Kondensat, verpufft irgendwo zwischen Dach, Sternen und Mond, wie ein paar Ideen, für die man keine Zeit hat, die man auf später verschiebt und dann vergisst, weil man keine Zeit hat, sich ständig daran zu erinnern, aber das sind nur Ausreden. Wenn ich mal, dann mach ich das. Ein Fußball-Feuilleton, zum Beispiel. Ich schrieb einst eines, als ich mit dem Hund spazierte.

Drauß geworden ist nur Kondensat, verpufft in kalter Nacht. Leider.


Das Beste zum Schluss, Januar 2012

Sozusagen die Erweiterung der Kategorie “Gesammelter Scheiß” und Einführung einer neuen Unterkategorie “weil das nämlich alle machen”. Wayne Rooney ist auch dabei.

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Gesammelter Scheiß, Folge 3

Und dann, wenn du Mitte Dreißig bist, hörst du dann doch die Worte deiner Eltern aus deinem Mund. Und wenn du nicht genau hin hörst und dir rechtzeitig einen Knoten in die Zunge machst, bevor diese Worte deinen Mund verlassen können, spricht aus dir diese altbekannte Skepsis gegenüber jeglichem neumodischen Kram, den deine Kinder so lieben, wie du ihn gestern noch geliebt hast, aber heute irgendwie komisch und suspekt findest und mit schiefem Blick anschaust, als würde er sich in ein Monster verwandeln und deine Kinder bei lebendigem Leib verspeisen. Und wenn du ganz cool bist, mit Sonnenbrille und Dreitagebart und so, setzt du dich ganz kurz mal ins Kinderzimmer, legst dir die CD von Culcha Candela ein und wippst mit dem Fuß mit, während der Nachwuchs beseelt in die Hölle der Moderne marschiert, so wie auch du in diesem sagenumwobenen Damals.

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digitale Maoisten

Ein furchtbares Stück Meinung, eine unglückliche Anhäufung von Grundangst, Unwissen und Informationsvermeidung. Oder aber, Herr Heveling versuchte, ein bisschen überspitzt, vielleicht sogar ironisch daher zu kommen. Kann ich aber nicht glauben. Überhaupt: Glaube. Er glaubt Vieles und weiß wenig. Behaupte ich. Und der shitstorm der digitalen Maoisten wird ihn noch bestätigen, alles Nerds da draußen, Piraten, die auf echte Arbeit, mit Urheberrechten und so, keinen Bock haben, aber die Realität ist natürlich anders. Besser. Bodenständiger. Realistischer.

“Und dann hacken sie mir auch noch die Webseite unterm Hintern weg. Hab ich es nicht gesagt?”

Wegen solcher Gastkommentare werden die Piraten gewählt. Sie geben sich aktueller, moderner, aber besser?

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Auf der Suche nach einem endgültigen Zuhause im Netz, das niemand außer mir selbst abschalten kann.

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Nicht mehr benötigte Bücher los zu werden, ist nicht einfach. Natürlich, man könnte sie der Papiertonne übergeben, aber. Können Sie das? Bücher wegschmeißen? NEIN. Versteigern oder verkaufen oder tauschen lohnt sich nicht, zu viel Arbeit (erst ganz viel copy & paste, dann auch noch verschicken), ohne nennenswerten Erfolg (Reichtum, pah). Letztendlich werden sie wohl auf dem Büchertisch landen, ganz sicher mit gutem Gefühl. Und nicht weggeschmissen.

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Zwei Jahre Motorola Milestone, eine Geschichte voller Missverständnisse. Erinnert mich an meinen ersten PC, dieses 286er-Ungetüm mit wahnsinnigen 640 KByte RAM. Und 20 MByte Festplatte. Und DR-DOS. Monochrom, bernsteinfarbend. Ich liebte BlockOut. Das Motorola Milestone also, ein Nostalgiefaustkeil. Sollte man noch einmal vertiefen.


Nichts für Ungut, aber

Werders späten Sieg feiern die Väter mit ihren Söhnen tanzend im Garten. Eine selige Mama ruft in die Runde: „Nichts ist so schön wie ein Sieg gegen die Scheiß-Hertha!“

Eure Kinder sind Berliner!

Ich bin nicht zugezogen, ich war schon immer hier. Trotzdem mag ich die Hertha nicht besonders. Natürlich, am 14.02.2009, da empfand ich warme Sympathie, weil man ein Feuer entfachte, an diesem bitterkalten Nachmittag im Olympiastadion, den ich zufällig miterleben durfte, konnte, musste. Ein durchschnittlicher Kader kämpfte und siegte, gegen die Bayern, unter diesem Klinsmann, mit Christian Lell (schlechtester Spieler der Bayern, wie mir ein Bayernfan in der U-Bahn später noch einmal bestätigte, heute Hertha).

Ja, man feierte die Mannschaft (Wer war noch einmal Trainer in dieser Zeit? Hüstl. Hüstl.) und man sang etwas vom “Spitzenreiter, Spitzenreiter” und knapp zwei Jahre später spielte man in der zweiten Liga, im Olympiastadion, gegen Union. Und man verlor.

Genau das ist für mich Hertha. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, heute die Bayern schlagen, morgen gegen Zweitligamittelmaß verlieren (Entschuldigung, Unioner, aber), die Hertha, die kein Feuer in mir entfacht, die immer irgendwie Mittelmaß auf den Rasen bringt und eher selten Feuerwerke abbrennt, nach denen man sagen kann: Mönsch, haste dit jesehn? Dit issn Hauptstadtclub, wa. Geil.

Deshalb kann ich verstehen, wenn man Werder Bremen lieber mag als Hertha, auch wenn man nicht in Bremen wohnt, keinen konkreten Bezug zu Bremen als Stadt hat. Sicher hat Herr Goldmann recht, wenn er sagt:

Fußball ist ein schichten- und systemübergreifendes Phänomen, unverzichtbar für regionale Verankerung und kollektives Selbstwertgefühl.

Aber warum muss es unbedingt Hertha sein?

(Beispiele. Und die Kinder sollen sowieso machen, was sie wollen. Grundsätzlich.)


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